Eine kulturgeschichtliche Zeitreise durch 2000 Jahre erlebte eine Gruppe der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Merkstein in Zülpich. Herzstück des 2008 eingeweihten Museums der Badekultur ist die römische Thermenanlage aus dem 2. Jahrhundert nach Christus, die besterhaltene ihrer Art nördlich der Alpen. Was andernorts nur als Rekonstruktion zu besichtigen ist, lässt sich hier im Original betrachten.

Ein Glücksfall im doppelten Sinn: 1929 durch Zufall bei Kanalbauarbeiten entdeckt, bedurfte es eines aufmerksamen Zeitgenossen, der mit den Mauerresten, die da zutage traten, etwas anzufangen wusste.

Der Volksschullehrer Paul Hubert Pesch erkannte sofort, welch verborgener Schatz sich hier bot und begleitete  fortan leidenschaftlich über Jahrzehnte die wissenschaftliche Ausgrabung der Anlage. Es ist das Verdienst der Stadt Zülpich, des Landschaftsverbandes und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung, in unserer Zeit der Römertherme Zülpich mit einem modernen Museumsbau und einer einzigartigen Ausstellung neue Attraktivität zu verleihen.

Museumsführerin Stefanie Niers faszinierte die AWO-Freunde mit ihrer lebendigen authentischen Schilderung römischen Lebens und ihrer präzisen Erklärung der bewundernswerten Technik – das ausgeklügelte Heizungssystem – doppelter Boden mit Hypocausten in den Warmbädern -  sowie Wasserversorgung und Kanalisation.

 

Heizstelle mit Aschefund.

 

An einer Feuerstelle, wo auch tatsächlich Asche gefunden wurde, fragte sie die Gäste: „Und wie entsteht der Luftzug? Die Römer hatten keinen Schornstein!“ Die Lösung, auch vor Ort zu besichtigen: Alle Wände wurden mit Hohlkammern hochgezogen. Eine geniale Erfindung, die in Europa erst in der Neuzeit wieder zum Zuge kam.

Die Lösung: Alle Wände hatten Hohlkammern.

 

Ebenso lebendig erzählte Stefanie Niers die Hygiene der Römer. „Es gab keine Seife. Man ölte den Körper ein und schabte anschließend den gebundenen Staub, Schmutz ab.“ Das passende Werkzeug ist in Vitrinen ausgestellt.

Auch das gesellschaftliche Leben auf hohem Standard war anschaulich nachvollziehbar. Der Besuch der Thermen war fester Bestandteil des Alltagslebens. Neben der Körperreinigung wurden hier soziale Kontakte gepflegt, Geschäfte abgewickelt und Politik gemacht.

Im oberen Teil des Museums wandert man anhand von interessanten Exponaten durch Mittelalter und Neuzeit bis in die moderne Arbeitswelt. Kuriositäten sind dabei, wie etwa Bademoden oder die Schaukelbadewanne um 1900.

„Das war eine ganz besondere Führung“, lobten die Teilnehmer. An allen Stationen wusste Stefanie Niers Zeitkolorit und Hintergründe zu vermitteln. Bei ihrem lebendigen Erzählen war man immer mitten drin im Geschehen.

Die kleine Stadt Zülpich hat viel zu bieten. Ein Besuch in St .Peter mit der wunderschönen romanischen Krypta durfte nicht fehlen. Ein Spaziergang auf den Markt - vier Stadttore und große Teile der mittelalterlichen Befestigung sind erhalten -und nicht zuletzt eine freundliche Gastronomie. Ein erlebnisreicher Tag bei herrlichem Sonnenschein.

 

Eines der vier Stadttore von Zülpich.

 

Die Zülpicher Burg.

 

(Fotos: Ilona Koch, Wilfried Ullrich)