So vielfältig wie die Probleme in Familien mit Kindern sein können, so breit gefächert ist auch das Aufgabenspektrum. Die Rede ist von der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH). Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle des Kreisverbandes Aachen-Land der Arbeiterwohlfahrt mit Sitz in Herzogenrath-Merkstein empfingen eine Abordnung des AWO-Ortsvereins Merkstein und informierten umfassend über ihre Arbeit. „Es ist uns als Ehrenamtlichen wichtig“, so AWO-Vorsitzender Horst Herberg, „die professionellen AWO-Einrichtungen vor Ort noch besser kennenzulernen und den Kontakt zu pflegen.“

 

Die Gesprächsgruppe vor der Beratungsstelle.

Seit 1986 ist die SPFH in Herzogenrath ansässig, zunächst an der Kaiserstraße in Kohlscheid, seit 2008 in zwei Räumen des Hoch- und Tiefbauamtes an der Nordsternstraße in Merkstein und von Beginn an in freier Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt.

Fünf Fachfrauen

Fünf diplomierte Pädagoginnen/ Sozialpädagoginnen gehören zum Team unter Leitung von Claudia Lantin, zuständig für das gesamte Stadtgebiet Herzogenrath. Bei einem Power-Point-Vortrag gewannen die Gäste Einblick in das bunte Kaleidoskop von Tätigkeitsfeldern und Anforderungen.

Schnell entstand ein Frage- und Antwortspiel, ein lebendiger Dialog, in den das gesamte Team mit Barbara Antwerpen, Tabitha van Aefferden, Stefanie Bendel und Aline Herkenrath sich einschaltete. Man spürte: hier identifiziert sich jeder mit seiner sicherlich nicht einfachen Arbeit.

Aufsuchende Hilfe

Hilfe zur Erziehung ist in Deutschland gesetzlich verankert und für die Familien kostenlos. Zielgruppe sind alle Familien, in denen mindestens ein minderjähriges Kind lebt. Der Antrag muss beim zuständigen Jugendamt gestellt werden. Soweit die juristische Grundlage.

Erfolg oder Misserfolg hängt von den handelnden Akteuren ab. Claudia Lantin verdeutlichte wichtige Prinzipien: Familien sollen in ihrer Erziehungskompetenz gestärkt werden. Dazu müssen sie zur Zusammenarbeit bereit sein – Prinzip der Freiwilligkeit. Familienhilfe ist aufsuchende Hilfe. Die Beratungen finden im allgemeinen in der Wohnung der Betroffenen statt, nach Möglichkeit mit allen Familienmitgliedern. Alle sollen eingebunden sein.

Im Beratungsraum der SPFH in Merkstein.

 

Vertrauen und Werschätzung

Erster Schritt ist also immer die Schaffung einer Vertrauensbasis. Dann finden Hilfegespräche statt. Zusammenarbeit wird vereinbart und schriftlich festgehalten, feste Tages- und Wochenstrukturen erarbeitet. Dabei ist es wichtig, gemeinsames Tun und positive Erlebnisse zu gestalten. „Den Veränderungsbedarf soll die Familie zum eigenen Ziel machen, Veränderung aktiv wollen“, so Claudia Lantin. Wie kann es gelingen, Eltern mitzunehmen? Alternativen lernen, Positives aufzeigen, wofür vor lauter Alltagsbelastung der Blick oft verstellt ist. Die eigenen Stärken sind vergessen, verschüttet. Respektvoller Umgang miteinander und die Wertschätzung der Familie seien absolute Bedingung, hieß es. Aber auch: Grenzen müssen aufgezeigt werden.

Aus unterschiedlichsten Anlässen kann ein Hilfebedarf entstehen. Es sind bei weitem nicht nur schulische oder familiäre Erziehungsthemen, womit die Beraterinnen konfrontiert werden, sondern alle anderen nur denkbaren Belastungen: Wohnung, Finanzen, Krankheit, Suchtprobleme, Beziehung der Familienmitglieder untereinander, Belastungen von Alleinerziehenden, Kampf mit Behörden.

Individuelle Hilfe

Jeder Fall ist anders und erfordert, sich individuell einzulassen. Stets aber ist das Hilfsangebot auf Zukunft, auf positive Veränderung fokussiert und letztendlich darauf, die Hilfe überflüssig zu machen, Familien in einem neu gewonnenen Freiraum zu stärken. Ein weiteres wichtiges Ziel: die Vernetzung der Familie mit dem sozialen Umfeld.      

Kooperation und Vernetzung sind wichtig. (Fotos: Wilfried Ullrich)

  

Die Frage nach Vernetzung drängte sich auf. Das engagierte Team der Sozialpädagogischen Familienhilfe an der Nordsternstraße verweist auf ein großes Netz von Organisationen, Einrichtungen und Behörden, mit denen man zusammen arbeite in zuverlässiger Partnerschaft, nicht zuletzt auch mit der Stadt Herzogenrath.

Zu begrüßen sei auch jegliche Unterstützung durch ehrenamtliche Kräfte. Mitglied im Herzogenrather Bündnis für Familie sind sowohl die Sozialpädagogische Familienhilfe der AWO wie auch der AWO-Ortsverein Merkstein. Hier gilt es, Möglichkeiten der Kooperation auszuloten.